Steroide und deren Missbrauch im Fitness- und Bodybuildingsport

Steroide, auch als Anabolika bekannt, werden bisher als Medikamente angesehen. Das erstmalige Verbot der Einnahme dieser Substanz war 1974. Zum Muskelaufbau werden sie vor allem zum Bodybuilding genommen, viel schlimmer ist hier die Fraktion der so genannten „Discopumper“. Der Körper des Konsumenten ist leistungsfähiger im Training, die Regenerationszeit minimiert sich und der Muskelaufbau wird maximiert. Hört sich toll an, doch über die Nebenwirkungen wird oft erst (zu) spät oder gar nicht nachgedacht. Doch welche häufigen Nebenwirkungen durch das Einnehmen dieser Steroide auftreten, werde ich in diesem Artikel darlegen.

Steroidmissbrauch im Fitness- und Bodybuildingsport
Credit: iStock/Oleg Evseev

Steroide und deren Missbrauch im Fitnessbereich sind heutzutage leider gang und gäbe. Jeder ambitionierte Fitnessstudio-Besucher weiß das. Es gibt dabei gewisse Vor- sowie Nachteile, die wir mal näher beleuchten wollen.

Haben Steroide Vorteile für den Muskelaufbau?

Dass die Muskelmasse schneller wächst, ist generell bekannt. Aber was bringt es deinem Body? Der größte Vorteil ist natürlich der bessere und raschere Aufbau von Muskelmasse. Die Ausdauer wird durch die Einnahme von Anabolika auch gesteigert. Die anabole Wirkung bezeichnet die eiweißaufbauende Wirkung. Das beinhaltete Testosteron zielt vor allem auch auf die Muskelkraft ab. Geförderter Muskelaufbau sowie beschleunigte Fettverbrennung sind die Hauptvorteile für dich.

Was gibt es an Nachteilen zu nennen?

Steroide unterdrücken deine Testosteron-Produktion. Das wirkt sich auf dein Sexualleben insofern aus, als dass es die Libido im negativen Sinn beeinflusst. Auch unter Lethargie (Bewusstseinsstörung) kann man leiden. Du kannst dich müde fühlen. Haarausfall und Akne gehören ebenso zu den Nebenwirkungen. Es kommt aber immer ganz darauf an, zu welchen Steroiden Du greifst. Da alles über die Leber geht, kann auch die Leber stark darunter leiden. Übertreiben solltest du mit den Mitteln nicht. Im Gegenzug ist dir als Fitnesssportler aber eine gesunde Ernährung bewusst. Bei Frauen kann es zu Störungen der Menstruation sowie Vermännlichung kommen.

Haarausfall

Die „Top 5“-Nebenwirkungen von anabolen Steroiden

1. Kleinwuchs

Anabolika kann das Körperwachstum beeinflussen, vor allem bei Jugendlichen, noch nicht ausgewachsenen Konsumenten, welche bereits in der Kindheit mit Bodybuilding begonnen haben. Die eingenommenen Steroide hemmen das Einlagern von Kalzium in den Knochen, dadurch wird die eigentliche Körpergröße nie erreicht. Im Einzelfall hängt dies natürlich stets von den körperlichen Voraussetzungen des jeweiligen Bodybuilders und der Art des anabolen Steroides ab. Auch bekannt sind „Schrumpfeier“ durch den Konsum von Anabolika – der Hoden ist extrem verkleinert.

2. Haarausfall

Die Präparate unterstützen den Haarausfall durch die stetige Verkleinerung der Haarfollikel. Dadurch werden die Haare dünner, und es folgt die typische Glatzenbildung unter den Sportlern.

3. Leberschädigung

Viele der Präparate schädigen die Leber bereits nach kurzer Einnahmedauer, die bis hin zum Tod führen können. Auch Hepatitis oder Cholestase (Gallenstauung) werden als Auswirkung auf die Einnahme gesehen. Symptome sind u.a. Appetitlosigkeit, Erbrechen, verfärbter Stuhlgang.

4. Akne

Bei Sportlern, die diese Präparate zum Muskelaufbau nutzen, werden die Talgdrüsen des Körpers extrem angeregt, Sebum abzusondern. Sebum ist eine ölige, fetthaltige Substanz, die zu Aknewunden auf dem gesamten Körper führen kann. Diese „Anabolika-Akne“ lässt sich meist nicht mit üblichen Präparaten behandeln und bedarf medizinischer Behandlung.

5. Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems

Die Einnahme dieser leistungssteigernden Mittel kann zu einer Vielzahl von negativen Auswirkungen auf das Herz führen. Das Cholesterin und der Blutdruck steigen enorm an, sodass eine erhöhte Herzinfarktgefahr als eindeutiges Risiko angesehen werden muss.

Dies sind nur einige Punkte die ich nennen möchte – die Liste könnte beliebig verlängert werden. Ich als Natural Bodybuilder lehne derartige Substanzen strikt ab, letztendlich muss jedoch jeder Sportler für sich selbst entscheiden, was er seinem Körper zumuten und antun möchte. Für mich zählt, das Maximum auf natürlichem Wege zu erreichen.

Was sind die gängigsten Arten von Anabolika?

Anabolika haben viele Vorteile beim Muskelaufbau. Man muss die Vor- und Nachteile natürlich gegeneinander abwägen und sich genau informieren. Und genau hier liegt die Thematik, denn oftmals wird einfach will darauf „losgestofft“.

Beliebte Mittel im Fitnesssport sind zum Beispiel:

  • Clenbuterol
  • Anavar
  • Winstrol
  • Dianabol
  • Deca Durabolin
  • Primobolan

Im Fitnesssport ist der Gebrauch weit verbreitet. Es wird harmlos oft als Kur tituliert. Viele Todesfälle bekannter Bodybuilder haben kaum zum Umdenken geführt. Es kam zu einer Zunahme von Anabolika-Gebrauch. Nimmst du Anabolika, sei dir bewusst, dass es zu einer psychischen Abhängigkeit kommt – vergleichbar mit der Abhängigkeit von Drogen.

Testosteron
Foto: iStock/designer491

Interview mit einem ehemaligen Konsumenten

Wie bist du zu anabolen Substanzen gekommen, was war deine Motivation, und welche Substanz hast Du eingenommen (Clenbuterol, Testo, usw.)?

Nachdem ich jahrelang trainiert habe, und es war immer nur ein kleiner Fortschritt zu sehen, dachte ich mir irgendwann: Warum probierst du nicht einmal „mehr“ aus? Ich bin damals über einen ehemaligen Sportkollegen an die Substanzen gekommen. Darunter waren z. B. Testosteron Enantat, Testosteron Propionat, Nandrolon Decanoat und Metandienon (Thai´s).

Wie alt warst Du damals und in welcher körperlichen Verfassung (Gewicht, Größe)?

Angefangen habe ich 2007 im Oktober und das Ganze ca. neun Monate genommen. Mein Alter betrug damals 22 Jahre. Innerhalb von zehn bis zwölf Wochen habe ich mein Gewicht von 75 kg auf 85 kg aufgebaut und dabei kaum Fett angesetzt. Meine Größe ist 175 cm. Das war natürlich für jeden Sportler das Ziel und es war sehr einfach zu erreichen mit den Substanzen. Allerdings kam mein Körper schnell an seine genetische Grenze, und die liegt bei mir wohl bei 85 Kg, da kein weiteres Wachstum mehr möglich war. Dass hierbei peinlichst genau auf die Ernährung geachtet werden muss, ist aus meiner Sicht selbstverständlich, weil alles andere Blödsinn ist und das Ziel weit verfehlt. Noch zu erwähnen ist, dass du täglich aufwachst und Bäume ausreißen kannst. Eine Müdigkeit ist quasi nicht vorhanden.

Hattest Du Angst vor der Einnahme? Waren Dir die Risiken und Nebenwirkungen bewusst?

In erster Linie denkt man hier an alles, aber nicht an die Nebenwirkungen. Du siehst den Erfolg, den du jede Woche verzeichnest – da interessiert es dich nicht wirklich, was passieren könnte. Sich wöchentlich eine Spritze ins Gesäß zu stechen, wurde nach einer gewissen Zeit dann deutlich zur Überwindung, und es ging nicht mehr so schnell und leicht wie anfangs.

Wie lange hast Du es eingenommen und warum abgesetzt?

Der Zeitraum war ca. neun Monate. Irgendwann kommst du an den Punkt, wo man es nicht mehr abstreiten und verheimlichen kann, und deshalb war es für mich dann so weit zu sagen: Ich höre auf. Starke Anzeichen sind eben auch permanent schlechte Laune, sehr starker Unterzucker, und bevor dann doch mal was passiert, habe ich dann einfach den Stecker gezogen und die Substanzen abgesetzt, was wiederum nicht so einfach geht, weil der Körper die eigene Hormonproduktion  in diesem Zeitraum der Verabreichung komplett einstellt. Es musste also mit Medikamenten der eigene Hormonhaushalt wiederaufgebaut werden.

Würdest du es wieder tun? Wie lautet dein Fazit?

Es war eine tolle Erfahrung, aber ich würde es nicht wieder tun. Wenn du dich einmal zu diesem Schritt entschlossen hast, dann solltest du wenn möglich auch für immer am Ball bleiben, um es tatsächlich auch professionell zu betreiben. Nur fürs Hobby kann ich es keinem rückwirkend empfehlen.

 

In diesem Sinne: „Stay Natural“,

Euer Benny Braun

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