Trainingsform CrossFit: Das rät euch Gregor Schregle

Im September hatte ich die Gelegenheit, an die Ostsee nach Warnemünde zu reisen, um das Intersport-Fitnessevent „FitGesund“ als Medienvertreter zu begleiten. Dort habe ich den einen oder anderen Kurs besucht – wie z.B. den von Gregor Schregle, einem der bekanntesten und erfolgreichsten CrossFitter Deutschlands. Er war danach so nett, mir ein Interview zu geben – natürlich zur Sportart CrossFit selbst, zu seiner Box Crossfit Rhein-Neckar und zur Wahl der „richtigen“ Box.

 Gregor Schregle bei FitGesund

Gregor, wie wird man eigentlich CrossFitter? Sind das hauptsächlich Sportler, denen das klassische Pumpen im Fitnessstudio zu öde geworden ist?

Ich bin auf CrossFit über das Sportstudium gekommen. CrossFit ist eigentlich nichts Neues. Es ist natürlich eine Marke, ein Unternehmen aus den USA. Man muss eine Lizenzgebühr zahlen, wenn man das offiziell für Leute anbieten will. Ansonsten besteht das Training – so, wie es Turnvater Jahn früher auch gemacht hat – aus Ganzkörperübungen. Wir kombinieren Übungen aus dem Gewichtheben, dem Turnen und der Leichtathletik, habe eine hohe Variation, d.h. dass wir dem Körper immer wieder neue Reize geben. Dass er keine Chance hat sich anzupassen – Routine ist der Feind. Meine Philosophie war und ist: Wenn ich ins Fitnessstudio gehe, will ich unter einer Dreiviertelstunde rauskommen. Die High Intensity ist das, was die meisten Leute an CrossFit kennen und sie vielleicht auch abschreckt – und sie sagen: Die CrossFitter gehen wahnsinnig an ihre Grenzen, das sieht ja richtig brutal aus, und die leiden extrem. Es ist aber so, dass die Intensität erst ganz zum Schluss kommt. Am Anfang steht die Technik – die muss perfekt ausgeführt sein.

 

„Beim CrossFit hat man in kürzester Zeit super Effekte“

Was motiviert deine Kunden, bei dir in der Box CrossFit zu machen?

Die Meisten, die bei uns trainieren, sind zwischen 25 und 45. Also diejenigen, die mitten im Berufsalltag oder im Familienleben angekommen sind. Die suchen jetzt wieder eine Sportart bzw. ein Training, das sie fit macht. Die haben nicht viel Zeit, wollen aber trotzdem etwas machen, um ihre Fitness zu verbessern. Waren vielleicht früher auch schon mehr oder weniger sportlich und wollen daran anknüpfen. Beim CrossFit hat man in kürzester Zeit super Effekte, trainiert den ganzen Körper, trainiert mit Freunden – oder auch mit Freundin oder Frau. Wir haben viele Pärchen, die sich bei uns anmelden. Dieses Jahr hatten wir zwölf Box Babies, also zwölf Frauen, die schwanger sind oder ihre Kinder schon bekommen haben. Die sind natürlich auch bei uns mit in der Box. Dann gibt es morgens unsere Muttistunden, und die Kurse sind rappelvoll bei uns. Das ist Fitness für die ganze Familie.

 

Würdest du die Motivation, CrossFit zu machen, bei Frauen und Männern gleichsetzen? Ich dachte eigentlich, dass den Männern das Pumpen im Fitnessstudio irgendwann zu öde geworden ist und die Frauen wiederum einfach „nur“ fit werden/bleiben wollen.

Das ist schon auch so. Wir haben aber eine so genannte Motivationserfassung, und da kommt als allererstes: fitter werden, fit bleiben, Gesundheit. Und klar: Mir kann keiner sagen, dass er CrossFit macht, um nackt nicht besser auszusehen. Dieses stupide Pumpen im Fitnessstudio, bei dem nicht wirklich viel passiert, außer dass man von Maschine zu Maschine wackelt und sein Handtuch platziert, ist in den meisten Fällen Zeitverschwendung. Es gibt kaum noch klassische Krafträume, in denen ordentlich trainiert wird. Wenn man sich dann auch noch von „Trainern“ sagen lassen muss, dass Kreuzheben ungesund für den Rücken sind und Kniebeugen nicht unter 90° Kniewinkel gemacht werden dürfen, ist alles zu spät.

 

Ohne es zu wissen, haben wir eigentlich alle schon mal CrossFit gemacht – z.B. beim Turnen an den Ringen oder Seilklettern damals im Sportunterricht. Daran werden einige von uns nicht die allerbesten Erinnerungen haben. Ist CrossFit tatsächlich ein Jedermann-Sport?

Crossfit ist ein ganzes Trainingsregime und viel mehr noch als Burpees und Thrusters. Natürlich macht man Übungen aus dem CrossFit, weil CrossFit sich der besten Übungen aus allen Sportarten bedient – aus dem Gewichtheben, dem Kraftdreikampf, dem Powerlifting, den Kniebeugen, den Klimmzügen, dem Turnen mit den Ringen. Man geht laufen, macht Boxjumps, macht Burpees. Diese Übungen gibt es ja auch bei Freeletics oder werden auch in den klassischen Fitnessstudio-Kursen verwendet. Nur weil jemand dieselben Übungen verwendet und ein Zirkel daraus macht, ist es noch lange nicht CrossFit. Wer das behauptet, hat das große Ganze nicht verstanden. Das System CrossFit setzt sich daraus zusammen, dass man functional movements, constantly varied, high intensity hat. Das sind die drei Schlüsselwörter, die das Geheimnis von CrossFit ausmachen. Und da muss natürlich der Coach ein guter sein, der ein entsprechendes Trainingsprogramm aufsetzt. Zum Schluss muss aber immer auch der Spaß vorhanden sein, der einen bei der Stange hält.

 

„CrossFit ist wirklich für jedermann“

CrossFit für JedermannAber würdest auch einem absolut Untrainierten dazu raten, der noch nie ein Gewicht in der Hand hatte?

Klar, CrossFit ist wirklich für jedermann. Das kann man daran sehen, dass meine Mutter auch mitmacht. Unser ältestes Mitglied ist 72. Jeder, der noch nie vorher CrossFit gemacht hat, ist eigentlich Anfänger. Er braucht vorher keine Gewichte gestemmt, keine Kniebeugen gemacht zu haben, die Ausdauer muss nicht super sein. Alles ist skalierbar – jede einzelne Übung kann auf den einzelnen Menschen angepasst werden. Wir haben auch Leute, die noch nie Sport gemacht haben und sagen: Gregor, ich schaffe gerade die Stufen zu euch rein, dann wird’s schon kritisch. Dann sage ich: Ist überhaupt kein Problem, das kriegen wir hin. Und genau diese Leute verlieren dann 10 kg Fett innerhalb von 8 Wochen mit dem Training bei uns.

 

Einer der Kritikpunkte am CrossFit ist das hohe Verletzungsrisiko bei schwerathletischen Übungen – infolge falscher Technik bzw. schlechter Trainer, die einem eine falsche Technik beibringen. Wie siehst du das?

Ich habe ja jetzt auch schon fünf Jahre Erfahrung im Box Business und kann sagen: Es liegt oft nicht an der Technik, sondern am falschen Ehrgeiz und Übereifer der Personen selbst. Das sind die, die zwei- oder dreimal am Tag in die Box kommen, die zwei Stunden hintereinander trainieren und keine Pausen machen. Eigentlich sollte man bei CrossFit nach drei Tagen Training einen Tag komplett Pause machen oder nach fünf Tagen Training zwei Tage Pause. Manche sagen dann: Nein, ich will sechs-, siebenmal die Woche trainieren, dann mache ich selbst noch was für mich und gehe noch eine Stunde laufen. Und dann passiert es ganz schnell, dass diese Leute ins Übertraining geraten.

 

Frauen beim CrossFitWas glaubst du: Wie hoch ist mittlerweile der Frauenanteil im CrossFit?

Bei uns ist es fifty-fifty, es sind  fast schon ein bisschen mehr Frauen als Männer.

 

Das ist ja erstaunlich. Worauf führst du das zurück?

Ich habe mich ein bisschen umgehört: In Amerika ist es so, dass mehr Frauen CrossFit betreiben, weil es das Gerücht gibt, dass man Muskelmasse verliert, da zu viel Ausdauertraining mit dabei ist. Klar, wenn man sich mit einem wirklichen Bodybuilder vergleicht, der Wettkämpfe macht… Wenn er CrossFit machen würde, würde er ein bisschen Muskelmasse verlieren. Die Meisten aber, die sagen, sie würden Muskelmasse verlieren, haben noch nie welche gehabt, noch nie richtig trainiert und nehmen sich als Vorbilder die Profi-Bodybuilder. Für den Otto Normalverbraucher ist das super, ein tolles Körperbild zu entwickeln – ohne diese übertriebenen Muskelberge, was ja meistens auch nicht nur mit dem Training zusammenhängt.

 

„Eine meiner Lieblingsübungen ist das Reißen“

Gregor SchregleWas ist eigentlich deine Lieblingsübung?

Oh, da gibt es viele, das variiert auch öfter. Im Moment mache ich sehr gerne Ausfallschritte, Reißen (aus dem Gewichtheben) und Muscle Ups (alles, was mit den Ringen zu tun hat).

 

Und welche hast du nicht so gerne? Gibt’s da sogar eine Hassübung?

Eine Übung, in der ich nicht so gut bin, sind Front Squats – da bin ich ein bisschen schwächlich (lacht). Aber wirklich hassen tue ich sie auch nicht. Man entwickelt eine Hassliebe: Man hat eine Übung, die nicht so gut geht, aber man beißt sich da rein, und dann wird man da besser. Und es gibt eine andere Übung, die man ein bisschen vernachlässigt, und dann beißt man sich da wieder rein. Das ist so ein ständiges An-Sich-Arbeiten und macht auch Spaß, sich zu verbessern.

 

Über die letzten Jahre ist die Trainigsform CrossFit unheimlich populär geworden, und in vielen deutschen Städten entstehen auch immer wieder neue Boxen. Wie siehst du ihre Entwicklung?

Wir sind mit unserer Box seit fünf Jahren dabei und waren die siebte oder achte in Deutschland. Jetzt sind wir bei insgesamt 280 Boxen und wachsen so um die 50 im Jahr. Auf jeden Fall ist die Tendenz steigend, und das wird auch noch so weitergehen. CrossFit ist auch kein Trendsport, weil das System einfach funktioniert. Es passt auch total in unsere Zeit: Die Leute haben weniger Zeit zu trainieren, müssen was machen, wollen was machen, sind aufgeklärter. Die Tendenz geht ganz klar weg vom Maschinentraining hin zum Group Fitness.

 

Welche Kriterien für die Wahl der Box entscheidend sind

In jeder deutschen Großstadt gibt es mittlerweile eine Handvoll oder auch mehr Boxen (in Berlin sind es sogar ein Dutzend). Jetzt werden sich viele unser LeserInnen fragen, nach welchen Kriterien sie sich eine suchen sollen …

Ich sage immer: Schaut auch jede Box an, macht überall ein Probetraining mit. Die Gesichter müssen euch passen, die Nasen, und ihr müsst dort Spaß haben, dann bleibt ihr auch dabei.

 

Aber kann der Interessent oder die Interessentin denn schon nach einer Stunde sehen, ob ihm oder ihr die Box passt?

Es ist schwierig: Wie entscheide ich mich für eine Box? Ich würde erst einmal zwei, drei Trainingseinheiten mitmachen. Passt die Sympathie (da kann man oft schon nach fünf Sekunden sagen), ist der Trainer cool, ist er nett. Es muss auch mit den Leuten passen, die da trainieren: Ist da Spaß im Raum oder trainieren die vielleicht ein bisschen leiser. Die Frage ist natürlich auch, was man selbst für ein Typ ist. Um CrossFit kennen zu lernen, reicht natürlich eine Trainingseinheit nicht. Da sage ich den Leuten: Minimum sind zehn Einheiten, dass man das Konzept so ein bisschen versteht.

 

Gibt es denn tatsächlich auch Qualitätsunterschiede zwischen den Boxen?

Ja. Das Affiliations-System ist ja so, dass man keinen Gebietsschutz hat als Box. Das heißt: Der Bessere setzt sich durch. Es gibt Leute, die haben ein Level 1 gemacht (Anm. d. Red.: die Basis-Trainerlizenz), und man braucht dieses Level, um eine Box zu eröffnen. Die waren vorher Ingenieur oder irgendwo anders tätig, machen das aus Leidenschaft und haben sich damit selbstständig gemacht. Das ist aber überhaupt keine Qualifikation für den Sport selbst. Ich habe z.B. Sport studiert, hatte Prävention und Rehabilitation dabei, habe in der medizinischen Trainingstherapie gearbeitet und Leute wieder fit gemacht, die Verletzungen wie z.B. Knochenbrüche hatten. Da kenne ich mich natürlich besser aus als jemand, der nur zwei Tage das Level-1-Seminar am Wochenende gemacht hat und eine Bewerbung an die Firma CrossFit geschrieben hat, die den dann akzeptiert, weil er im Jahr 3000 Dollar an Lizenzgebühren überweist. Da muss man wirklich auch gucken, was der Box Owner an Qualifikationen vorzuweisen hat.

 

CrossFit-Gruppentraining

Was CrossFit Rhein-Neckar seinen Mitgliedern bietet

Was habt ihr denn so so zu bieten in Mannheim bei CrossFit Rhein-Neckar?

Wie schon erwähnt, hat der Box Owner (grinst) Sportwissenschaften studiert. Ich habe schon jahrzehntelange Erfahrung im Training mit Menschen, im Functional Training, mit Leuten, die Verletzungen hatten, die ich wieder fit gemacht habe. Ich selbst komme auch aus dem Leistungssport mit CrossFit, war dreimal bei den Europameisterschaften (Regionals genannt). Dadurch weiß ich eben auch, wie man auf einen Wettkampf hintrainieren muss. Wobei das jetzt nicht wirklich unsere Zielgruppe in der Box ist – 99 % sind die, die sich einfach nur fit halten wollen. Darüber hinaus bieten wir ein ganzheitliches Konzept. Uns ist es ganz wichtig, dass in allen Classes höchste Qualität abgeliefert wird an Technik. Unsere Coaches kriegen interne Weiterbildungen von mir – wir haben da ein kleines Fortbildungskonzept auf die Beine gestellt. Wir haben meine Schwester als Ernährungsberaterin mit dabei, eine studierte Ökotrophologin und damit eine hoch qualifizierte Kraft. Dann haben wir den Maik als Physiotherapeuten und Osteopathen mit an Bord, der immer eine Gesundheitssprechstunde anbietet, d.h. jeder, der Fragen zu seinem Körper hat, kann dahingehen und die ganz schnell klären lassen. Außerdem haben wir die Nadine mit dabei, die Yoga macht und die für die Flexibilität und Mobilität da ist und auch für den seelischen Ausgleich. Unsere Coaches-Team setzt sich also zusammen aus Sportwissenschaftlern, Physiotherapeuten, Osteopathen, Ökotrophologen, Yoga-Lehererinnen, ehemaligen Leistungsturnerinnen, Trainer/innen im Gewichtheben, CrossFit Kids Trainer/innen und leidenschaftlichen Athleten/innen. Somit bieten wir ein ganzheitliches Konzept – auch für die ganze Familie. Wir haben CrossFit Kids ab sechs Jahren bis zwölf, 14, 16 Jahren. Dann gibt es noch CrossFit Gold für meine Eltern z.B. – das ist ab 50+. Ich biete auch Personal Training an bzw. Screenings, wenn sich Athleten noch ein bisschen weiterentwickeln wollen. Dazu finde ich, dass unsere Community fast einzigartig ist – da gibt es einen richtig guten Zusammenhalt. Wir machen viel am Wochenende zusammen. In der Box abends haben wir immer Spaß, da wird viel gelacht – aber auch hart trainiert.

 

Abschließend sollten wir aber auch das Thema Preis beim CrossFit mal grundsätzlich ansprechen – da ist man mit monatlich 80, 100 oder 120 EUR dabei (je nachdem, wie oft man pro Woche trainieren möchte). Ist es das wirklich wert?

Auf jeden Fall! Wir haben jede Stunde einen Personal Trainer und haben die Gruppenkurse auf zwölf Personen limitiert. Wenn das jetzt mit einem Fitnessstudio vergleicht: Die Übungen sind weniger effektiv, die Trainer sind nicht so gut ausgebildet wie bei uns und bei den Kursen sind oft 20, 25 Teilnehmer. Da ist natürlich auch sehr wenig Coaching mit dabei. Es gibt viele Leute, die sagen: Hey, Gregor, ich bin mir nicht sicher, das ist ganz schön teuer bei euch. Dann machen die das ein halbes Jahr und sagen: Das Geld ist es mir wert. Wenn man das runterrechnet auf ein Personal Training, das 65 oder 75 Euro die Stunde kostet, dann ist man bei uns mit 3,50 Euro super dabei. Und wie oft geht jemand ins Fitnessstudio, in dem er 25 Euro im Monat zahlt… Wenn man das runterrechnet, ist man auch bei ca. 3,00 Euro bei zweimal Training die Woche, ohne Personal Trainer. Und bei uns kommen die Leute dann auch wirklich, und bei uns tut sich dann auch wirklich etwas.

 

Da stellt sich aber auch die Frage, was mit den sozial Schwächeren ist, für die 80 bis 100 Euro im Monat wirklich viel Geld bedeuten …

Na ja, da muss halt jeder selbst gucken, wohin er sein Geld investiert. Wie oft trinkt man mal einen Kaffee, einen Latte Macchiato oder ein Bier am Wochenende – lass das weg, komm zu uns ins Training, und du hast das Geld auch schon wieder drin. Bei uns trainieren auch sozial Schwächere, Leute, die einen ganz einfachen Beruf haben, die auch Schicht arbeiten oder Studenten sind. Die gönnen sich das Training. Man braucht das Geld nicht immer in neue Klamotten, in super Sneaker oder das neueste iPhone zu investieren. Das kauft man sich drei Jahre später und hat das Geld in die eigene Gesundheit investiert.

 

Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für deine Zeit, Gregor!

Weitere Infos zu Gregor Schregle und seiner Box findet ihr auf den folgenden Seiten:

 

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