Bodybuilderin Birthe Mack: Natural und Spaß dabei

Dass in der Kraftsport-Szene gedopt (im Fachjargon: gestofft) wird, bis der Arzt kommt, ist ein offenes Geheimnis. Gut zu wissen, dass es auch Ausnahmen von der Regel gibt. Zu den Vertreterinnen des sauberen Sports zählt beispielsweise Birthe Mack, die zu Wettkämpfen unter dem Dach der German Natural Bodybuilding & Fitness Federation (GNBF) antritt. Ein Interview über körperliche Limits, harte Wettkampf-Diäten und den Verzicht auf gutes Essen.

Birthe Mack

Birthe, bei der Recherche für dieses Interview bin ich auf eine Sache gestoßen, die ich ganz witzig fand: Es gibt da eine Website namens girlswithmuscle.com. Dort sind auch einige Fotos deiner Person online gestellt. Natürlich können diese von Fans kommentiert werden. Unter deinen Fotos ist öfter mal zu lesen, du sähest so ein bisschen aus wie eine Emma Watson mit Muskeln. Ein ganz schönes Kompliment, mit einer Hollywood-Schauspielerin verglichen zu werden, oder!?

Ja, mir haben bereits einige gesagt, dass Emma Watson mir ähnlich sehe. Ich denke, es gibt „schlimmere“ Double (lacht).

Du schreibst Blog-Artikel für deinen Sponsor Peak, stellst Trainingsvideos online, bist in den sozialen Medien (Facebook, Instagram) recht aktiv. Wirst du auch mal auf der Straße angesprochen – sei es als Emma Watson oder als Birthe Mack? 

Auf der Straße werde ich nur sehr selten erkannt und angesprochen, im Training sowie öffentlichen Veranstaltungen (FIBO, Wettkämpfe) passiert es hingegen schon häufiger.

Du bezeichnest dich selbst als Natural Bodybuilderin. Für die Leserinnen und Leser, die mit dem Begriff nicht so viel anfangen können – was bedeutet der?

Natural Bodybuilding bedeutet, dass auf die Einnahme von illegalen Substanzen verzichtet wird, um einen maximalen Muskelwachstum zu erreichen bzw. in einer Diät eine maximale Fettreduzierung zu erzielen.

Birthe Mack

„Habe mich gegen anabole Steroide entschieden“

Kannst du Frauen verstehen, die (mehr) Muskeln haben möchten und zu anabolen Steroiden greifen?

Ja, denn irgendwann kommt man an sein (natürliches) körperliches Limit, und die  Fortschritte werden immer weniger – das Verlangen nach „mehr“ hingegen nicht. Dann liegt es an einem selbst, ob man zu anabolen Steroiden greifen möchte. Ich werde niemanden dafür verurteilen, nur habe ich mich selbst aus verschiedenen Gründen, insbesondere meiner Gesundheit, dagegen entschieden.

Wie viel kg Muskelmasse und KFA (= Körperfettanteil) ist denn natürlich möglich – wie z.B. bei dir?

Das kann ich dir leider nicht beantworten. Mein Körperfettanteil schwankt zwischen ca. 6% (finale Wettkampfform) und max. 15%.

Wenn du dich in der Wettkampfphase und entsprechend auf Diät befindest: Wie lange dauert diese immer, und wie erlebst du diese Zeit – nicht nur physisch, sondern auch psychisch?

Eine Wettkampf-Diät dauert dauert zwischen 12 und 20 Wochen. Körperlich wird man mit der Zeit kräftetechnisch schwächer, und am Ende der Diät ist das Energielevel gen Nullpunkt und man „funktioniert“ nur noch. Psychisch ist es immer ein Auf und Ab: Selbstzweifel und Frustration duellieren sich mit Ehrgeiz, Disziplin und Kampfgeist. Wichtig ist, dass man ein stärkendes soziales Umfeld hat, das einem immer wieder Mut zuspricht.

Wie sieht so dein typischer täglicher Ernährungsplan in der Diät aus?

ErnährungMein gesamter Ernährungsplan ist von meinem Coach Christian Meier (semper fi body concept) erstellt. Ich habe drei große Hauptmahlzeiten: Morgens verzichte ich auf Kohlenhydrate, die anderen beiden Portionen sind ausgewogen. Als Zwischenmahlzeit trinke ich Bcaa’s und esse Reiswaffeln oder etwas Obst. Nach und nach wird das Kaloriendefizit erhöht.

Inwieweit unterscheidet sich der Ernährungsplan von dem in der Off-Season (Nicht-Wettkampfphase) – abgesehen von der Menge an Kalorien, die du zu dir nimmst?

Ich verzichte auf meine leckeren Energy Cakes (lacht). Sonst unterscheidet sich der Plan bis auf die Nahrungsmenge nicht wesentlich von meinem Diätplan.

„Morgens auf Kohlenhydrate verzichten“

Was könnte sich ein Hobbysportler ernährungstechnisch von dir als Profi abschauen?

Ich empfehle morgens auf Kohlenhydrate zu verzichten, u.a. weil Kohlenhydrate morgens den Cortisolspiegel senken und die dazugehörige Lipolyse (Fettabbau) stoppen.

Leistest du dir auch mal Ausrutscher oder bist du superdiszipliniert?

Natürlich gönne ich mir in der Off-Season auch mal Süßkram oder „ungesundes“ Essen, aber dies ist bedacht, und ich würde es nicht als Ausrutscher bezeichnen.

Wie schwer machen sich bei einem Profi wie dir Ausrutscher bemerkbar?

Dauerhafte Ausrutscher sind natürlich nachteilig. Einmalige Ausrutscher machen sich m.E. in der Regel nicht bemerkbar und zeigt nur, dass Athleten auch Menschen sind.

Ich habe mal gelesen, dass ein Vollrausch z.B. am Samstagabend eine oder sogar zwei Wochen Training in der Zeit der körperlichen Veränderung (Masse- oder Definitionsphase) zunichte machen kann. Ist das wirklich so krass?

Das kann ich nicht beantworten. Ich trinke keinen Alkohol und habe mich demzufolge noch nicht mit den „Folgen“ eines Rausches beschäftigt. Ein negativer Aspekt des Alkoholkonsums ist aber definitiv die (unnötige) hohe Kalorienzufuhr .

Was hältst du grundsätzlich von Diäten für Hobbysportler, die abnehmen oder aber auch ihre Muskeln definieren wollen?

Ziele zu haben ist immer eine gute Sache! Grundsätzlich würde ich keinem zu „Extrem-Diäten“ wie die 21-Tage-Stoffwechselkur, Low-Carb oder Low-Fat usw. raten, sondern dazu, weiterhin auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, lediglich die Mengen reduzieren (= Kaloriendefizit) und auf eine ausreichende Proteinzufuhr zu achten (ca. 2g/pro kg Körpergewicht).

„Ich liebe den Bodybuilding-Lifestyle“

Bodybuilding ist dein Lifestyle, du lebst für diesen Sport. Fragst du dich nicht aber auch manchmal, ob du nicht zu viel dafür opferst – wie z.B. gutes Essen, das oft viele Kalorien hat und nicht die beste Nährstoffverteilung?

Nein, da – wie du schon sagst – ich für diesen Sport lebe und den Bodybuilding-Lifestyle liebe. Dazu gehört eben auch der grundsätzliche Verzicht auf Sahnesaucen, Fast Food & Co., aber von jedem Grundsatz gibt es auch Ausnahmen, d.h. ich esse natürlich auch mal Schokolade oder Eis.

Die Fitnessindustrie verdient auch in Deutschland viele Millionen mit Nahrungsergänzungsmitteln. Jetzt möchte ich dich nicht in die Bredouille bringen, da du bei einer solchen Marke unter Vertrag stehst. Aber kannst du mir in dem Punkt zustimmen, dass in der Branche eine ganze Menge wirkungsloser Mist verkauft wird, wie z.B. Testosteron Booster oder dieses ganze Fatburner-Zeug?

Mit Sicherheiten wirken die einen Supplemente mehr und die anderen weniger…

Du arbeitest ja auch nebenbei als Fitnesstrainerin. Welche Supplements empfiehlst du deinen Kunden?

Whey oder Mehrkomponenten Protein, Bcaa, Kreatin, Glutamin. Bcaa dienen primär dem Muskelschutz, Kreatin der Kraftsteigerung und Glutamin der Regeneration.

Abschließende Frage: Du studierst Jura. Wo siehst du deine beruflichen Zukunft? Könntest du dir sogar vorstellen, nur von deinem Sport zu leben, wie z.B. eine Sophia Thiel?

Ehrlich gesagt: Ja! Ich könnte mir eine berufliche Zukunft in der Sportbranche vorstellen, allerdings nicht als „Youtube-Star“ mit eigenen Fitnessprogrammen. Ich finde die Arbeit meines Coaches Christian Meier sehr spannend und beeindruckend. Er arbeitet in der Schweiz als Personal Coach. Er hat ein fundierten Fachwissen und bildet sich stets weiter. Eine solche Ausbildung könnte ich mir grundsätzlich noch vorstellen, aber Jura macht mir natürlich auch Spaß, so dass das Kapitel erst mal abgeschlossen wird, bevor ich mir Gedanken über Alternativen mache.

Dann wünsche ich Dir viel Erfolg auf deinem beruflichen und sportlichen Lebensweg und sage danke für das Interview!

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