Forum: Was Fitnessexperten euch zum Thema Ernährung raten

„Überfordert euch nicht selbst“

Alexander Thomas von Thomsan Nutrition Coaching
Alex von Thomsan Nutrition Coaching

Ein Beitrag von Alexander Thomas (www.thomsan-nutrition.de)

Wenn ich nur einen Ernährungstipp geben kann, der wirklich die Nr. 1 sein soll, dann ist es wohl folgender: Iss Fleisch und Gemüse, vergiss den Fisch nicht. Iss Nüsse, Körner, etwas Stärke, aber vermeide Zucker! Wobei sich der Zucker auf industriell verarbeiteten Zucker bezieht. Grundsätzlich also: Bleib natürlich.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

Aber ich will die Gelegenheit nutzen und einen anderen Aspekt in die Runde werfen. Zu Ernährungstipps, Erklärungen zu Ernährung, Makros, Mikro, Nährstofftiming, Diätmethoden wie Intermittent Fasting, Carbbackloading, Atkins, Metabole Diät, HBN und viele weitere wird es genügend Zeilen geben, und gibt es auch schon genug Zeilen im Internet. Das klingt auch alles schlüssig und einfach. Doch so einfach es klingt, so kompliziert ist es für viele. Wir Menschen folgen unseren Gewohnheiten. Ebenso wie Tiere, deshalb ist der Begriff Gewohnheitstier auch überaus passend. Viele, die einen Hund haben, werden das Phänomen kennen: Ihr füttert euren Hund mit ein oder zwei Mahlzeiten am Tag und immer um dieselbe Uhrzeit – meinetwegen um 20:00 Uhr. Nun habt ihr um 20:00 Uhr nicht dran gedacht, eurem Tier gleich das Futter zu geben, doch der Hund fängt langsam an zu betteln, nach dem Napf zu schauen und wartet auf sein täglich Brot – in diesem Fall Fressen. Der Hund hat keine Uhr, wie wir Menschen sie erfunden haben. Er hat auch nicht diese Art von Zeitgefühl, wie wir Menschen sie haben. Das ist ein menschliches Konstrukt. Und doch weiß der Hund, wann Zeit fürs Fressen ist. Seine biologische Uhr verrät ihm das. Im Übrigen kann, aus Sicht des Intermittent Fasting, davon ausgegangen werden, dass auch das Knurren des Magens beim Menschen sehr stark mit Gewohnheit zusammenhängt und nicht ein Indiz für die Notwendigkeit der Nahrungsaufnahme ist. Aber zurück zum eigentlichen Punkt: Wir Menschen folgen unseren Gewohnheiten und das – ebenso wie Tiere – auch in punkto Essen.

Ein weiteres Beispiel: Ihr geht gerne italienisch Essen oder allgemein in die Pizzeria. Ob mit Freunden, mit Arbeitskollegen oder in einer fremden Stadt. Beobachtet euch einmal, was für ein Gericht ihr bestellt. Ich behaupte, dass der Großteil der Bevölkerung – unabhängig der Größe und Vielfältigkeit der Karte – im Hinterkopf drei Gerichte zur Auswahl hat (wenn es überhaupt drei sind) und wird auch (fast) immer zwischen diesen Gerichten wählen: Gewohnheit!

Gewohnheiten entstehen durch unsere Sozialisation. Unsere Eltern leben etwas vor, wir ahmen es nach – oder versuchen genau das Gegenteilige zu werden. Wir haben etwas probiert, das schmeckt uns, und wir essen es immer auf die gleiche Art. Gewohnheiten – sie machen das Leben bequem! Und mit Masse ist der Mensch faul, da kommt einem die Bequemlichkeit schon echt zugute.

Größte Herausforderung ist der Schweinehund

So viele Ernährungstipps ihr auch lest, so viel ihr euch sagt: Ich will etwas verändern, so viel Coaches ihr euch auch engagiert. Das alles hat nur bedingt Aussicht auf Erfolg. So lange ihr euch nicht im Klaren darüber seid, welchen psychologischen Aspekt es zu berücksichtigen gilt, wird das Scheitern immer eine realistische Option sein. Und hey, Leute, die größte Herausforderung ist es immer, seinen eigenen Schweinehund zu überwinden, und der eigene Schweinehund kann es überhaupt nicht leiden, wenn er auf einmal seine Gewohnheiten verändern soll. Selbst wenn du der größte Krieger bist – auch für dich gibt es eine eigene, persönliche Wohlfühlzone, welche der Schweinehund nur ungern verlassen will.

Schweinehund
Quelle: Flickr/metalhero1993; Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Die Gefahr: Zurückfallen in alte Essensmuster

Jetzt stellt sich die Frage, was ihr damit anfangen könnt. Mit dem Wissen über die Gewohnheit, dem Schweinehund, der alle Veränderungen so schwer macht. Die Message dahinter ist ganz einfach: Überfordert euch nicht selbst. Eine nachhaltige Umstellung der körperlichen Zusammensetzung ist ein langwieriger Prozess, der einiges mehr bedarf als ein bisschen mehr Training und mal für zwei Monate radikal essen. Na klar, das bringt dich weiter, aber wie lange? Was bringen dir die zwei Monate, wenn du danach in dein altes Essmuster zurück fällst, du einen Monat später aussiehst wie zuvor?

Ein gesunder Lifestyle kann schmecken

Der größten Herausforderung, welcher du als Sportler/Athlet und ich als Coach gegenüber stehen, ist, dir als Sportler/Athleten zu vermitteln, dass der Lifestyle ganz stark mit der körperlichen Zusammensetzung zusammenhängt und deinen Lifestyle zu verändern – ohne, dass du und dein Schweinehund es als Einschränkung verstehen. Das bedeutet aber nicht, jeden Tag trocken Reis und Pute, vielleicht etwas Gemüse und sonst nichts zu essen. Ein gesunder, gut aussehender Lifestyle kann schmecken – sehr gut sogar. Hast du dich einmal darauf eingelassen und diese Erfahrung gemacht, wirst du auch ganz schnell feststellen, dass es nicht nur besser schmeckt, sondern sich auch deutlich besser anfühlt.

In diesem Sinne

Eat clean, get lean, be strong

Alex von Thomsan Nutrition Coaching (www.thomsan-nutrition.de)

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