Buchvorstellung: „Trainieren wie im Knast“ von Paul Wade

Trainieren wie im KnastAls Autor Paul Wade kurz nach seinem 23. Geburtstag ins Gefängnis kam, wog er bei einer Größe von 1,86 m nur 68 kg und seine Arme waren so dünn wie „Pfeifenreiniger“, wie er sich selbst erinnert. Durch eine Reihe unangenehmer Erlebnisse mit anderen Häftlingen wurde ihm bald klar, dass er schnell Kraft aufbauen muss, um nicht Opfer zu werden. Doch Wade hatte Glück im Unglück: Ein ehemaliger Navy-Soldat teilte mit ihm die Zelle und zeigte ihm die wichtigsten Grundübungen zum Muskelaufbau: Liegestütze, Klimmzüge und tiefe Kniebeugen. Diese Übungen wiederholte er Hunderte Male und gewann allmählich – ganz ohne Hilfsmittel oder Geräte – an Kraft und Umfang. Zusätzlich beobachtete er viele andere Häftlinge beim Trainieren und sammelte zahlreiche Tipps und Trainingsmethoden, die er nach und nach in sein eigenes Fitnessprogramm einbaute. So wurde aus dem eingeschüchterten jungen Häftling bald ein kompetenter Athlet – und auch ein gefragter Trainer für seine Mitinsassen, die ihm den Spitznamen „El Entrenador“ oder auch „the Coach“ gaben.

Die Trainingsmethoden, die der ehemalige Heroindealer während seiner 19-jährigen Haftzeit entwickelte, fasste er nach seiner Entlassung zu einem Buch zusammen und er macht seinen Lesern darin von Anfang an klar: Man braucht nicht den ganzen Unsinn, den die Hochglanz-Muskelmagazine verbreiten. Man braucht weder teure Trainingsgeräte, Langhanteln oder Anabolika, um Muskelkraft aufzubauen. Alles was man braucht, ist das eigene Körpergewicht.

Wades Methode ist im Wesentlichen eine Weiterentwicklung des schon in der Antike bekannten „Calisthenic“-Trainings, mit dem die Spartaner um 480 v. Chr. ihre Muskeln stählten. Das „Old School Calisthenic“, wie Wade es nennt, fördere funktionelle athletische Fertigkeiten, maximiere die Kraft, schütze die Gelenke, bringe den Körper perfekt in Form und reguliere das Körperfett. Basis seines Trainings sind sechs Grundübungen für die hauptsächlich beanspruchten Muskelgruppen, die ohne Zuhilfenahme von Geräten auch auf kleinstem Raum durchgeführt werden können: Liegestütz, Kniebeuge, Klimmzug, Beinheben, Brücke und Handstand-Liegestütz. Diese „Big Six“-Grundübungen untergliedert Wade dann in jeweils zehn Schritte, die Variationen der Grundübung darstellen und hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades aufeinander aufbauen. Der zehnte Schritt ist dann sozusagen die Krönung jeder Übung. Ziel jedes Lesers sollte es sein, das Meisterlevel aller sechs Grundübungen perfekt zu beherrschen.

In den Übungskapiteln findet man nach den ausführlichen Anleitungen zu den zehn Schritten jeder Übung jeweils eine Übersicht, welche die Reihenfolge der einzelnen Schritte und die empfohlene Zahl der Wiederholungen angibt. So erhält der Leser eine Kontrolle, wann sein Etappenziel erreicht ist und er den nächsten Schritt wagen kann. In den letzten Kapiteln des Buches möchte „the Coach“ vermitteln, wie jeder sein eigener Trainer werden kann. Hier verrät er praktische Tipps übers richtige Aufwärmen bis hin zu Methoden, die helfen sollen, auch ohne Anabolika ein erfolgreicher Kraftsportler zu werden. Zu guter Letzt schlägt Wade fünf sinnvolle Trainingsprogramme vor, die nach den drei wichtigsten Faktoren ausgerichtet sind: zur Verfügung stehende Zeit, Konditionsniveau und Trainingsziel. Mit einem Augenzwinkern nennt Wade diese Programme „Frischling“, „Gute Führung“, „Veteran“, „Einzelhaft“ und „Supermax“.

Alles in allem verbirgt sich hinter diesem vielleicht etwas einschüchternden Titel ein sehr unterhaltsamer und motivierender Fitness-Ratgeber.

„Trainieren wie im Knast: Der progressive Ganzkörperplan für Muskeln, Kraft und einen eisernen Willen

Autor: Paul Wade
Verlag: Riva
Umfang: 320 Seiten (broschiert)
ISBN-13: 978-3868835632
Preis: 19,99 €